Kirchgemeinde Bannewitz

Wort zum Monat

Jesus steht in einem Lichtstrahl. Die Linien seines Gesichts sind fein gezeichnet, die Augen ziehen unsere Aufmerksamkeit an. Sein Blick ist auf niemanden gerichtet; ein Blick nicht in der Zeit, sondern durch die Zeit hindurch.

Einsamkeit spricht aus dem Gesicht Jesu, bittere Enttäuschung, eine Empfindung der Vergeblichkeit. Und doch strahlt Jesus große Ruhe und Unantastbarkeit aus. Er schweigt. Sein Schweigen spricht so stark wie früher seine Worte. Er braucht das Schweigen wie einen Schutz, um all das, was kommt, auszuhalten.

Im Schweigen tritt Gott an uns heran. Unsere Welt kann mit dem Schweigen nichts mehr anfangen. Lärm, Schnelllebigkeit und die Flut der Informationen legen sich wie ein Panzer um uns. Wir können uns eine Zeit zum Schweigen gar nicht mehr leisten.

Jesus hat gelitten in der vorausgegangenen Nacht, trotzdem wirkt er majestätisch. Er hatte im Abendmahlsaal der Dunkelheit erlaubt, ihren Lauf zu nehmen, als Judas in die Nacht hinausging. Jetzt schweigt er. Ihm ist klar, „seine Stunde“ ist gekommen. Dieses königliche Schweigen macht Pilatus ganz ratlos. Er wirkt wie aus Stein gehauen, strahlt Macht aus, die er aber in diesem Fall nicht hat. Im Verlauf der Vernehmung Jesu wird er immer ratloser, aber seine politischen Ambitionen verbieten es ihm, sich auf Jesus einzulassen.

Pilatus steckt fest in seiner Rüstung, äußerlich wie innerlich, die Arme wie zum Selbstschutz um sich geschlungen. Der Raum über Pilatus in Türkis, wird aber zu Jesus hin dunkel, fast schwarz. Eine kleine Gruppe von Menschen teilt mit Jesus die Dunkelheit. Sie stehen für die Menschen, die in Jesus das Einzigartige sehen, das in die Welt kam.

Unter ihnen, wieder in Türkis, Menschen mit lachenden, verzerrten Gesichtern. Diese solidarisieren sich gegen Jesus, treiben in eine blinde Wut hinein. Sie fühlen sich stark in der Masse. Ihre frühere Ehrfurcht angesichts der Lehre und der Heilungen Jesu, als sie seine göttliche Vollmacht spürten, ist verschwunden.

Wir sind gerufen, in diesem Bild unseren Weg zu Jesus zu finden.

Ähneln wir Pilatus in seiner Halbherzigkeit, der meint Jesus zu kennen, aber um seiner Karriere willen seine Menschlichkeit zurücknimmt? Um seine Ruhe, zu haben?

Sind wir wie die Trauernden, die „hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit“? Ohnmächtig angesichts des Leidens der Menschheit? Die dennoch mitleiden und nicht wegschauen?

Sind wir vielleicht in denen, die sich mitreißen lassen vom Geschrei der anderen?

Können wir zuletzt Anteil nehmen an Jesus selbst? Der mit Gott in tiefer Verbindung bleibt, auch wenn es Nacht ist?

Mit Fotos der Glasfenster der Vorarlberger Maria Königin des Friedens Kirche Watzenegg ob Dornbirn können wir dieses Jahr zu Karfreitag acht Stationen des Leidens und Sterbens Jesu draußen gemeinsam gehen. Im Schweigen, Beten und mit kurzen Liedrufen laufen wir von der Kapelle Kleinnaundorf zur Kirche Bannewitz, wo der Kreuzweg in den  Karfreitagsgottesdienst münden wird.

Gabriele Feyler